Wie eine Gammel-Webseite einen Preis einheimste

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Vor einer Weile habe ich das neue Petitions-System des Bundestages der araneaNET GmbH kritisiert. Das Fazit: es hat eine grottenschlechte Benutzerführung, ist eine technische Katastophe, verletzt Datenschutzgesetze, ist alles andere als Barrierefrei und widerspricht in vielen Punkten den für dieses Projekt vom Bundestag selbst gestellten Anforderungen (Details dazu).

Just dieses Machwerk hat nun einen Preis gewonnen. Unverständlicherweise aber nicht den für die schlechteste Webseite der öffentlichen Verwaltung, sondern den „Politikaward 2008“ der Zeitschrift „politik&kommunikation“ in der Kategorie Innovation.

Innovation? Für ein gammeliges Forum? Sitzen in der Jury denn lauter Internet-Ausdrucker, die nur eine wohlklingende Beschreibung des Systems gesehen haben?

Denn der Kriterienkatalog für den Politikaward fordert eigentlich ein mehr:

Ohne Neuerung bleibt Stillstand. Internetportale, neue Medien, neue Techniken der Mobilisierung: Die Bereiche der politischen Kommunikation, in denen neue Ideen den entscheidenden Vorsprung garantieren, sind vielfältig. Der Politikaward ehrt die Instrumente und Methoden der politischen Kommunikation, die neue Wege beschritten haben, um Menschen von ihren Ideen zu überzeugen.

 

Offensichtlich ging es der Jury nur darum, dass man nun auch online eine Art Unterschriftenliste hat. Aber auch das ist schon ein alter Hut. Heutzutage wäre eine vorbildliche Umsetzung gefragt, dann wäre ein solcher Preis nachvollziehbar. So aber nicht.

In seinem Kommentar zur Preisvergabe hat Christian Heise die Problematik der Petitions-Webseite gut zusammengefasst:

Die schlechte Umzetzung vor allem in den Bereichen der Barrierefreiheit, der Möglichkeiten Petitionen online einzureichen und im Bereich des Datenschutzes schwächen das Petitionsverfahren und damit die moderne Demokratie in diesem Land. Darüber hinaus untergräbt das System das direkte Beteiligungsverfahren der Petitionen und schädigt zukünftige Projekte in diesem Bereich nachhaltig. Anstatt in eine vernünftige und zukunftsweisende Lösung zu investieren, die das demokratische Verfahren der Petition stärkt, hat man sich offensichtlich für die günstigste Variante entschieden und damit auch ein bisschen Demokratie verkauft.

Da bleibt nur die Frage offen: warum merkt die hochkarätige Jury sowas nicht?

Naja, wahrscheinlich ist es da wie bei vielen anderen Auszeichnungen auch: eine Art Inzestverein schubst sich gegenseitig Preise zu um sich so selbst zu feiern.

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1 Kommentar

Das erinnert mich an die frühen Neunziger: Da war's schon toll, überhaupt was im Netz zu haben :)

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